Gendergerechte Sprache: Wie wichtig ist sie den Deutschen?

Gendergerechte Sprache: Wie wichtig ist sie den Deutschen?

Wer sich für gendergerechte Sprache einsetzt, so wie unsere Agentur SÍSÍ, der hört es oft: „So viel Aufwand für so eine Handvoll Aktivisten“. Ist das so? In diesem Beitrag werfen wir einen zahlengetriebenen Blick darauf, wie hoch der Anteil an Personen in Deutschland ist, denen gendergerechte Sprache wichtig ist.

von | 15. Dezember 2020 | Diversity, queer, Trends

New Feminism: zwischen 8 – 20%

Die Feminismus-Bewegung von einst schlägt eine neue Richtung ein. Sie zielt auf Selbstbestimmtheit abseits von Rollenerwartungen und gesellschaftlichen Restriktionen. Guardian-Kolumnistin Freeman beschreibt den Feminismus der vierten Welle so: „Jeder Lebensstil muss akzeptiert werden, weil er ein Ausdruck dafür ist, dass Frauen frei entscheiden dürfen, was sie sein wollen, egal, ob sie Spitzenunterwäsche tragen wollen, wie die Slutwalk-Bewegung, oder ob sie Prinzessin sein wollen“.

Dank digitaler Kommunikation und Vernetzung erreichen feministische Stimmen ein breites Publikum und machen Diskussionen zu dem Thema gesellschaftsfähig. Nichts umsonst ist das Thema „New Feminism“ einer der derzeit wichtigsten Trends, die das Trendforschungs-Unternehmen „Zukunftsinstitut“ beschreibt – mit weitreichenden Auswirkungen z.B. darauf, wie progressive Eltern ihre Kinder erziehen oder darauf, was Kund*innen von Marken erwarten und einfordern. Und dazu gehört eben auch eine Sensibilität gegenüber Geschlecht und gendergerechter Sprache.

 Anhänger*innen des New Feminism sind längst nicht mehr nur Frauen, sondern auch Männer. Eine YouGov Deutschland Studie hat gezeigt, dass rund 20 Prozent der Frauen und 8 Prozent der Männer sich selbst als Feminist*in bezeichnen – mit steigender Tendenz gerade in jüngeren Jahrgängen.

Starkes Statement von Autorin und Feministin Sarah Bosetti

Die queere Community: mehr als 7%

Menschen, die sich als lesbisch, schwul, bisexuell, transgender („LGBT“) und mit weiteren Themen unter dem Aspekt der sexuellen und geschlechtlichen Identität abseits des Mainstreams („queer“) identifizieren, machen in Deutschland laut einer Dalia Studie einen Anteil von 7,4% aus.  

Vertrerter*innen der queeren Community, wie die CSD-Vereine, LGBTQ-Netzwerke, -Gruppierungen und -Verbände setzen sich für Akzeptanz und mehr öffentliches Bewusstsein der Gender-Vielfalt ein. Sie hinterfragen Rollenzuschreibungen und fordern gleiche Rechte, auch für „Minderheiten in der Minderheit“, wie z.B. intersexuelle Menschen.

Seit einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 2018 haben intersexuelle Menschen in Deutschland die Möglichkeit, beim Eintrag ins Personenstandsregister die Option „divers“ zu wählen. Spätestens seitdem ist die Diskussion rund um die Nutzung des Gendersternchens entfacht: Der Genderstern wird auch von queeren Menschen oftmals als politisches Statement genutzt, um die traditionelle Geschlechterordnung in Frage zu stellen. Er macht, anders als beispielsweise das Binnen-I, Geschlechteridentitäten außerhalb der binären Rollen Frau & Mann sichtbar. Damit wurde ein öffentlicher Diskurs angeregt, den z.B. auch Google Trends als „Ausreißer“-Thema tituliert.  

Moderner queerer Aktivismus: Auf LinkedIn habe ich ein Tool vorgestellt, welches das Gendern erleichtert.

Allies und Interesse an gendergerechter Sprache: 25%

Der Wunsch nach gendersensibler Sprache ist für Feminist*innen und queere Menschen naheliegend, ob aus natürlichem Eigeninteresse oder politischer Überzeugung. Zusätzlich gibt es Mitstreiter*innen („Allies“), die  nicht unbedingt der feministischen oder der queeren Bewegung angehören müssen, jedoch auch offen für gendergerechte Sprache sind.

Eine aktuelle Studie von YouGov zeigt, dass jedem vierten Deutschen gendergerechte Sprache eher wichtig oder sehr wichtig ist. Wahrscheinlich mit positiver Tendenz, denn wichtige Leitmedien und Unternehmen mit einer inklusiven Diversity-Politik bringen das Gendersternchen und die gendergerechte Sprache immer mehr in den Fokus und machen sie damit zur Normalität.

Viele Best Cases stellen wir in unserer Reihe der „Top LGBTQ Kampagnen“ vor. Hier einige Beispiele:

Radio Fritz spricht das Gender-Sternchen: Zum Beitrag

Almdudler bringt Diversity-Edition mit Aufschrift „Almdudler*in“ raus: zum Beitrag

 Das ZDF führt das Gendern in Nachrichtensendung „heute“ ein: zum Beitrag

Almdudler*in – denn: „Almdudler ist für alle da“

sisi agentur kommunikation sven tomschin

Sven Tomschin ist Berater und Geschäftsführer bei SÍSÍ – der agentur mit akzent. Vernetze dich mit Sven auf LinkedIn.

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