Sechs Tipps, um in Online-Workshops Reaktionen einzuholen

Sechs Tipps, um in Online-Workshops Reaktionen einzuholen

Was die Mimik im Offline-Workshop ist, ist der Emoji im Online-Workshop: Die Webversion eines Präsenzmeetings stellt die Workshop-Leitung vor die Herausforderung, Emotionen und Reaktionen noch genauer abfragen zu müssen. Wir geben sechs Tipps, wie das online funktioniert.

von | 30. April 2020 | Training, Webinar, Workshop

Die Stimmung im Blick

Wird ein Online-Workshop in kleinen Gruppen gehalten, ist für die Workshop-Leitung das  Lesen von Emotionen und Reaktionen noch verhältnismäßig einfach: Bei fünf bis sechs Teilnehmenden können die einzelnen Personen im Verlauf des Meetings häufig zu Wort kommen und ihre Meinung äußern. Auch das Zuschalten von Video ist in diesem Fall noch problemlos möglich. Emotionen und der Energie-Level der Gruppe werden damit auch visuell transportiert.

So bin ich als Seminarleiter stets über die Reaktionen und die Gruppendynamik im Bilde – wichtige Faktoren um die Teilnehmenden bei der Stange zu halten und ein erfolgreiches Meeting zu leiten.

Großgruppe im Webinar 

 Bei Großgruppen wird es jedoch um einiges komplizierter: Sofern die Internet-Verbindung es hergibt, resultiert die Video-Übertragung von 30 Leuten bestenfalls in einem unübersichtlichen Wimmelbild. Auch die gleichzeitige Zuschaltung aller Mikrophone führt zu ständigen Störungen und Unterbrechungen. Daher gebietet die Online-Workshop-Etikette, dass Teilnehmer von größeren Meetings sich ohne Video und mit stummgeschalteten Mikrophon einwählen. Wie kann ich aber in diesem Fall noch die Emotionen und Reaktionen der Teilnehmenden auf meinen Workshop im Blick behalten?

Im Folgenden gebe ich euch sechs Tipps, wie ihr auch in größeren Online-Workshops Emotionen beobachten und Reaktionen einfangen könnt:

Tipp 1: Co-Coach – das Bindeglied zur Gruppe

Eine weitere Person in der Funktion eines Co-Coaches ist eine wahre Stütze bei jedem Online-Workshop. Während man selbst mit der Präsentation beschäftigt ist, hat der Co-Coach den Chat im Blick und hält Fragen und Ergebnisse fest. Die Teilnehmenden können ihn jederzeit bei technischen Problemen kontaktieren – im Chat oder telefonisch. So wird dem Einzelnen geholfen, ohne dass das gesamte Meeting angehalten werden muss.

Magic happens, wenn der Co-Coach auch auf Reaktionen der einzelnen Teilnehmenden achtet: So kann er sich z.B. durch die Video-Streams klicken und aktiv handeln, wenn jemand kritisch reagiert oder nicht ganz bei der Sache ist. Über den Chat wird die Person freundlich befragt, ob sie ein Feedback geben möchte. Verständnisfragen können vor der Gruppe gelöst werden, alles Weitere wird im 1:1 Gespräch per Chat oder Kurztelefonat geklärt.

Daneben plane ich regelmäßige Pausen ein: Sie sind nicht nur ein Mittel, um sich kurz vom Online-Workshop zu erholen, sondern geben dem Coaching-Team auch die Möglichkeit, sich über die Gruppendynamik auszutauschen. So bleibe ich als Workshop-Leiter stets als auf dem Laufenden und kann Probleme in der Großgruppe ansprechen.

Tipp 2: Breakout Rooms – von Großgruppe zu Kleingruppe

Eine sehr naheliegende Lösung ist natürlich, eine große Gruppe in regelmäßigen Abständen in kleinere Untergruppen aufzuspalten. Das kennen wir aus Präsenz-Workshops. Bei Online-Workshops setze ich dafür gerne in häufiger Abfolge „Breakout Rooms“ ein. Breakout-Räume ermöglichen es, Meetings in separate Sitzungen aufzuteilen. So können die Teilnehmenden intensiv in Kleingruppen diskutieren und ihre Meinungen äußern. Während der Gruppen-Phase besuche ich die einzelnen Räume nacheinander und kann so einen Einblick in die Zusammenarbeit und die Stimmung der Gruppenmitglieder bekommen.

Wenn möglich, plane ich mir auch dabei Unterstützung durch Co-Coaches ein. So kann ich mich intensiver auf wenige Kleingruppen konzentrieren, während meine Co-Coaches die Beobachterrolle in den anderen Gruppen übernehmen. Auch hier tauscht sich das Team in der nächsten Pause wieder über die Stimmung der Teilnehmenden aus.

Tipp 3: Go vote!

Durch häufige Abstimmungen können während des gesamten Workshops laufende Stimmungsbilder abgefragt werden.

 Ein Tool, das ich dafür ans Herz lege, ist Mentimeter. Das schwedische Tool lässt live Abstimmungen zu – das motiviert die Teilnehmenden ungemein und zeigt Stimmungslagen in Real-Time.

Tipp 4: Emojis – Stimmungsbild via Chat

Die meisten Tools mit Chat-Funktion bieten es an, Emojis zu senden. Um ein Reaktionsbild zu erstellen, erfrage ich aktiv Feedback durch das Nutzen der Emoji-Funktion, z.B. als Chat-Wasserfall:

Jeder Teilnehmer sendet auf Kommando im Chat ein Emoji, das seine momentane Stimmung ausdrückt (oder als Antwort auf eine andere Frage). So erhalte ich ohne großen Aufwand und in kurzer Zeit einen Überblick über die Stimmungslage.

Microsoft Teams geht sogar so weit, dass in den Chat eingefügte Inhalte direkt mit einem der Emojis „Gefällt mir“, „Herz“, „Lachen“, „Überrascht, „traurig“ und „zornig“ bewertet werden können.

Ein weiterer Vorteil: Teilnehmende mit ausdrucksstarken Emojis können zu wertvollen Co-Creators im Workshop werden!

In der nächsten Breakout-Session kann ich die Rollen nach der Denkhut-Methode anhand der genutzten Emojis verteilen: Jemand, der auf eine Aussage ein „Herz“ vergeben hat, wird so in der nächsten Breakout-Session den Hut aufbekommen, positive Argumente für eine Idee sammeln.  Dagegen wird eine Person, die das zornige Emoji vergeben hat, in der Breakout-Session Gegen-Argumente für eine Idee brainstormen.

Tipp 5: GIFs – bewegte Gefühle

Die kurzweiligen Animationen sind nicht nur eine wunderbare Möglichkeit, einen Workshop humorvoll aufzulockern, sondern auch, um ein Stimmungsbild abzufragen. Die Bandbreite der Emotionen, die geteilt werden können, ist hier noch um einiges größer als bei den Emoji. Gleichzeitig arbeiten GIFs mit einer gehörigen Prise Humor. So ermöglichen sie manchen Teilnehmenden einen sanften Einstieg zur Kritik, während andere herzhaft zum „Explosions-GIF“ greifen, um ein Thema in der Gruppe zu eskalieren. Ganz einfach lassen sie sich bei Tools wie Skype oder Microsoft Teams über die Chat-Funktion einbinden.

Mein Lieblings-Tool für die Visualisierung ist allerdings Mural – ein virtuelles Whiteboard für die Online-Kollaboration. Die Teilnehmenden können zu ihrer Stimmung passende GIFs aus dem Netz herunterladen und dann ganz einfach per Drag-and-Drop auf dem geteilten Whiteboard einfügen. Die Teilnehmenden erstellen damit gemeinsam ein großes, bewegtes Stimmungsbild – im wörtlichen Sinne. Emotionen in der Gruppe werden so auf einen Blick sichtbar.

Tipp 6: Hashtag your emotion!

Blitzlichtrunden helfen dem Workshop-Team, Meinungen, Stimmungen oder auch Vorbehalte unter den Teilnehmenden sichtbar zu machen. Nacheinander äußern sich dabei alle kurz zu einer Fragestellung, ohne dass dies von den anderen kommentiert wird. Noch schneller ist die Abfrage per Hashtags. Dabei lasse ich gern reihum drei Hashtags von den Teilnehmenden formulieren – wobei ein Hashtag eine Emotion darstellen soll.

Mein Hashtag-Beispiel, um mich am Ende dieses Artikels von dir zu verabschieden:

 #CoCoachLove #JederWorkshopEinNeuesAbenteuer #HungrigUndGlücklich

sisi agentur kommunikation sven tomschin

Sven Tomschin ist Berater und Geschäftsführer bei SÍSÍ – der agentur mit akzent. Vernetze dich mit Sven auf LinkedIn.

Von Präsenz zu Remote

Wir bieten Trainings und Beratung für Online-Workshops und Webinare:

Von Präsenz zu remote: Wir unterstützen Unternehmen dabei, klassische Workshops für die Online-Welt zu adaptieren.

Train the trainer: Ihr möchtet euch (oder euer Personal) für die Planung und Moderation von Online-Workshops weiterbilden?
Dann empfehlen wir unsere interaktive Session in der Gruppe: Die Teilnehmenden bekommen ein Starter-Kit an Methoden und Tools an die Hand, um Inhalte in Webinaren mitreißend zu vermitteln und die Kollaboration in Online-Workshops zu optimieren. Somit könnt ihr Online-Meetings zu größerer Produktivität führen. Dank heutiger Technik ist die Leitung von Online-Workshops und Webinaren einfach erlernbar und umsetzbar. In kurzen Sessions lernt ihr miteinander die notwendigen Anpassungen an eure bisherige Agenda und den Umgang mit den Online-Tools. (Dauer: ca. 2h)

Bei Interesse einfach per Mail Kontakt aufnehmen.

 

Follow us – auf LinkedIn

Dir hat der Artikel gefallen? Du bist interessiert an weiteren Tipps für Online-Workshops und Marketing-Trends?  Dann folge uns auf LinkedIn.

Mehr aus unserem blóg:

 

Top LGBTQ Marketing-Kampagnen im Dezember | Best-of 2020

Top LGBTQ Marketing-Kampagnen im Dezember | Best-of 2020

Im Dezember 2020 haben uns diese Kampagnen überzeugt, die sich an LGBT (lesbische, schwule, bi, trans*) und queere Menschen richteten. Im letzten Monat setzten unter anderem die Deutsche Aidshilfe, O2 Music mit Instagram und der DFB Akzente im Marketing für die deutsche LGBTQ-Community. Ritz Crackers und Doritos brachten emotionale Spots für ein queeres Weihnachten.

mehr lesen
Gendergerechte Sprache: Wie wichtig ist sie den Deutschen?

Gendergerechte Sprache: Wie wichtig ist sie den Deutschen?

Wer sich für gendergerechte Sprache einsetzt, so wie unsere Agentur SÍSÍ, der hört es oft: „So viel Aufwand für so eine Handvoll Aktivisten“. Ist das so? In diesem Beitrag werfen wir einen zahlengetriebenen Blick darauf, wie hoch der Anteil an Personen in Deutschland ist, denen gendergerechte Sprache wichtig ist.

mehr lesen
Top LGBTQ Marketing-Kampagnen im November | Best-of 2020

Top LGBTQ Marketing-Kampagnen im November | Best-of 2020

Wir präsentieren die besten Kampagnen im November 2020, die sich an LGBT (lesbische, schwule, bi, trans*) und queere Menschen richteten. Im letzten Monat setzten unter anderem ViiV Healthcare, TV NOW, UFA und die Telekom Akzente in Sachen queeres Marketing und Diversity.

mehr lesen